Kevin ‚Dual Kevin‘ Barrios mag ein neues Gesicht in der Street Fighter-Wettkampfszene sein, ist aber trotzdem ein hartgesottener Kampfspielveteran, der bereits im Alter von zehn Jahren erste Erfahrungen in diesem Genre sammelte. Auch wenn sein Rashid inzwischen beeindruckend ist, hat er sich doch an der Versus-Serie die Zähne ausgebissen. Jetzt macht er sich sowohl bei Street Fighter V: Arcade Edition als auch in der Street Fighter League: Pro US 2019-Turnierserie einen Namen.

Besessen vom Arcade-Modus

Kevins Leidenschaft für Kampfspiele wurde bereits als Kind geweckt, damals, als er einfach nur wie wild Knöpfe drückte. Er verbrachte seine Zeit damit, Kombinationen in den Street Fighter II-Spielen zu lernen und die Arcade-Modi in anderen Spieltiteln immer und immer wieder durchzuspielen, bis sein Bruder ihn damit aufzog, dass er sich nicht trauen würde, gegen richtige Gegner zu kämpfen. Es war diese Herausforderung, die schließlich Kevins Turnier-Gaming-Karriere ins Rollen brachte.

„... Mein Bruder hat sich über mich lustig gemacht und mich gefragt, warum ich denn nicht online spiele, und hat mir vorgeworfen, dass ich zu viel Schiss hätte, gegen andere Spieler zu spielen“, erinnert sich Kevin. „Irgendwann habe ich dann angefangen, online zu spielen, und natürlich wurde ich plattgemacht. Dann hab ich mir Turniere angesehen, weil ich wusste, dass Spieler bei Turnieren gegeneinander antreten. Dass es eine richtige Kampfspiel-Community gibt, wusste ich damals nicht, aber dann bin ich zufällig auf ein Video gestoßen, in dem Spieler wie Justin Wong das Spiel bei den Wednesday Night Fights spielen.“

Kevin 'Dual Kevin' Barrios

Aufbruch in die Versus-Serie

Kevins Vorliebe für die Versus-Spiele gipfelte schließlich in seiner Wettbewerbsteilnahme bei dieser Serie. Nach eigener Einschätzung begann Kevin ungefähr im Jahr 2015 damit, an Wettbewerben teilzunehmen, nachdem er lange trainiert und sich weise Ratschläge von Profispielern geholt hatte.

„Früher habe ich zu Spielern wie FChamp, RayRay oder Justin Wong aufgesehen“, beschreibt Kevin seine Ursprünge. „Selbst wenn sie nicht mit denselben Charakteren spielten wie ich, habe ich zugehört, wenn sie über das Spiel gesprochen haben oder darüber, wie sie selbst spielen. Und ich habe versucht, diese Ideen im Spiel mit meinen eigenen Charakteren umzusetzen. Ich habe eine Menge Zeit damit verbracht, mir Turnieraufzeichnungen anzusehen und sogar die alten FGTV-Twitch-Archive zu durchsuchen, damit ich mir ein besseres Bild davon machen konnte, wie das Spiel auf solch einem hohen Niveau aussieht.“

Auf dem Weg, ein Kämpfer von Weltrang zu werden

Trotz seines langen Laufs in der Versus-Serie war Kevin außerdem auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Diese Suche veranlasste ihn schließlich Jahre später dazu, sein Glück bei Street Fighter V zu versuchen. Und obwohl Kevin zugibt, dass das Hin- und Herspringen zwischen Street Fighter und den Versus-Spielen am Anfang schwierig war, hofft er dennoch, in beiden Serien „richtig gut“ zu sein – und nicht nur ein Ein-Spiel-Champion.

„Ich habe mich schließlich für Street Fighter V entschieden, weil ich mir meiner Fähigkeiten als Spieler in einem Kampfspiel bewusst war und herausfinden wollte, wie weit ich damit in einem anderen Kampfspiel kommen würde“, sagt Kevin. „Einige der besten Spieler in der FGC haben mehrere Kampfspiele gespielt und waren in vielen davon richtig gut. Ich wollte mir einfach selbst beweisen, dass ich das auch kann. Meine Freunde in Indianapolis waren schon alle ganz verrückt nach SFV und ich hab mir gedacht, da kann ich auch gleich selbst anfangen zu spielen, und dann werden wir schon sehen ... Ich versuche nicht einfach nur, in beiden Spielen gut zu sein, sondern in beiden Spielen RICHTIG GUT zu sein.“

Meinem Windstoß entkommt ihr nicht!

Dass Rashid, Meister des Wirbelsturms und technikbegabter Erbe aus reicher Familie, Kevins Main ist, ist kein Geheimnis. Dabei war die Tatsache, dass Kevin sich diesen Kämpfer ausgesucht hat, weder Zufall noch eine Laune des Schicksals. Es handelte sich vielmehr um eine gut durchdachte Entscheidung, bei der Kevin erst nach einer gründlichen Auflistung aller Stärken sein endgültiges Urteil fällte.

„Noch bevor ich selbst das Spiel hatte, habe ich einen Freund von mir besucht, mir die Basis-Auswahlliste angeschaut und mir überlegt, wen ich mir aussuchen würde“, erklärt Kevin. „Ich wollte jemanden mit anständigem Lauftempo, jemanden mit einem Feuerball, aber keinen Shoto. Am Ende habe ich mich für Rashid entschieden, vor allem, weil er einen unverwechselbaren Feuerball hat. Der Charakter ist superstark, wenn er richtig gute Normalbewegungen hat. Dann kann er vorstoßen und jede Menge Raum kontrollieren. Außerdem macht er in der Bildschirmmitte ordentlich Druck und hat nur wenige Paarungen, bei denen er einen Nachteil hat. Die schwierigste davon ist wohl Birdie, zumindest für mich. Das ist ein hartes Duell, zum einen wegen Birdies Normalwerten und andererseits aufgrund der Art und Weise, wie er im neutralen Spiel den Feuerbällen ausweichen kann.“

Levelaufstiege bei der Street Fighter League

Kevins Können in SFV:AE führte schließlich zu seiner Teilnahme bei der Street Fighter League: Pro US 2019-Serie. Laut Kevin hat ihm diese Erfahrung dabei geholfen, im Level aufzusteigen, und außerdem auch Spielern eine Bühne geboten, die „nicht so bekannt sind“: Der Mittlere Westen der USA war „besonders zahlreich vertreten“.

„Die League hat so viel Spaß gemacht, sowohl in den Spielen selbst als auch drumherum“, beschreibt Kevin die Serie. „Ich glaube auch, dass die League gut demonstriert, wie analytisch ich denken kann, wenn ich mir meine eigenen Spiele oder die Spiele von jemand anderem nochmal ansehe ... In der League gibt es so viele Superspieler und zwischen den Teamkämpfen halten wir Sitzungen ab, bei denen wir spielen, trainieren und uns über das Spiel unterhalten. Es fühlt sich an, als wäre ich allein wegen der Gespräche mit anderen Superspielern durch die League 100 Level aufgestiegen.“

Beim Texas Showdown rollten die Köpfe

Die League fand Anfang Mai zeitgleich mit dem Capcom Pro Tour-Ranglistenevent Texas Showdown statt, bei dem gleich fünf League-Teilnehmer die Gruppe der 8 besten Spieler des Turniers erreichten. Einer dieser Spieler war Kevin, der gegen seine League-Kollegen ElChakotay Andrich und JB, einen weiteren Rashid-Spieler, antrat.

„Am Ende bin ich Dritter geworden und obwohl ich eigentlich gewinnen wollte, bin ich mit meinem Lauf trotzdem zufrieden“, beurteilt Kevin seine Leistung beim Showdown-Event. „Ich habe meinen Leuten gezeigt, dass ich in diesem Spiel gegen sie kämpfen und ihnen das Leben schwer machen kann, und gleichzeitig konnte ich mir dasselbe beweisen ... Es war toll, zu sehen, dass sich so viele League-Spieler bei Texas Showdown so gut geschlagen haben. Ich wusste, das würde nicht nur mir, sondern auch anderen Spielern eine Hilfe sein. Wenn so viele Größen des Spiels an einem Ort versammelt sind, steigen automatisch alle Level auf.“

SFL Team Frost

Kurs auf den Capcom Cup 2019

Combo Breaker 2019 ist vorüber und als nächstes Premier-Event steht an diesem Wochenende Taipei Major in Taipei, Taiwan auf dem Programm. Die Capcom Pro Tour geht in die nächste Runde und Kevin hofft, im Wettbewerb noch höhere Wellen zu schlagen: Er stellt sich auf eine reiseintensive Saison ein, in der er in der League Punkte sammeln will, um sich einen Platz beim Capcom Cup im Dezember zu sichern.

„Die Tatsache, dass ich CPT-Punkte erhalten habe, war meine Motivation, noch mehr zu wollen“, gibt Kevin zu. „Ich werde an einer ganzen Reihe von Turnieren teilnehmen ... Ich glaube nicht, dass ich mit jedem Turnier zehnmal besser werde – ich bin nach jedem Turnier hundertmal besser als vorher! Im Moment habe ich 80 Punkte. Auf die eine oder andere Art will ich mich für den Capcom Cup qualifizieren!“

Während Street Fighter League: Pro US 2019 weiter voranschreitet, können sich die Fans auf einen zunehmend härteren Wettbewerb einstellen – genauso wie Kevins Rashid, den sie in zukünftigen Turnieren noch viel häufiger zu sehen bekommen werden. Aber Vorsicht vor seinem Wirbelsturm!